The Forbidden Journey: Und was wir daraus lernen?
Ein Kommentar von Christian Ahuis
Neue Attraktionen in Freizeitparks haben, vor allem wenn sie in Disney- oder Universal-Parks gebaut werden, eine Auswirkung auf andere Parks weltweit. Natürlich können sich nur wenige Freizeitparks weltweit technisch und thematisch so aufwändige Attraktionen wie „The Forbidden Journey“ erlauben. Dennoch kann ein jeder Parkmanager von Islands of Adventure lernen.
Zunächst hat Universal bewiesen, dass gute Lizenzen für Parks sehr wohl funktionieren. Der Medienhype sowie der Ansturm nach der Eröffnung übertreffen alles bisher dagewesene. Abgesehen von den Menschenmassen, die schon vor der Eröffnung den Park belagerten, sind auch die bis zu sechs Stunden Wartezeit für den Einlass in den eigentlichen Themenbereich ein Umstand, den man bisher selten gesehen hat. Doch damit nicht genug: Einmal drin, geht das Warten weiter! Durchschnittlich zwei Stunden Wartezeit für die Hauptattraktion „The Forbidden Journey“ erscheinen dem gewogenen Besucher dann wie ein Päuschen. Selbst an einem Montag, drei Tage nach der Eröffnung, bestand die ganze „Wizarding World of Harry Potter“ aus einem einzigen Warteschlangengewirr. Die FAQ schechthin: Wofür ist diese Warteschlange? Denn das Ziel der Schlange war meist nicht sofort zu erkennen … Ob Straßenverkaufsstand für Zauberstäbe oder um Zutritt zu einem der Shops zu erlangen … ein Stündchen sollte man schon Zeit haben.
Warum bei einem bereits im Vorfeld zu erwartenden überproportional starken Besucherandrang die Shops viel zu klein und eng geplant wurden? J.K. Rowling hat’s diktiert! „Alles für den Realismus“ war Rowlings Devise und so ist auch in Zukunft davon auszugehen, dass der operative Betrieb der Shops eine Herausforderung für Universal bleiben wird. Nicht ganz einfach eben, wenn einem – sorry – wenn einer die Phantasie als Realität durchgeht …
Das Butterbeer, eine nicht alkoholische Getränkeköstlichkeit, gehört ebenfalls zu den Filmerfindungen und kann in der Wizarding World erstmals von den Muggles (so heißen die Menschen im Film) erworben und getrunken werden. Erwartungsgemäß: ein riesiger Erfolg und schmackhaft noch dazu! Vor allem das Eis-Getränk überzeugt und jeder Freizeitpark sowie die großen Getränkekonzerne sollten interessiert sein, dieses leckere Getränk ebenfalls anbieten zu können.
Nicht zur Nachahmung empfohlen ist der halbherzige Umgang mit der Neugestaltung der Dueling Coaster. Schon die ersten Warteschlangenbereiche der Bahn, in der Version vor Harry Potter, waren überaus überzeugend dekoriert, wenn auch viel zu lang. Die hohe Kapazität beider Achterbahnen hat diese gefühlten Kilometer nie ausgereizt. Zwar wurde der Wartebereich dem Thema angepasst, doch blieb die Länge des Wartebereichs gleich. Die Gestaltung der Achterbahn selbst blieb völlig unangetastet und reißt so wie damals auch heute die Fahrer aus der mühsam im Wartebereich aufgebauten Geschichte. Die Schienen – immer noch von der Sonne Floridas gebleicht – warten auf einen frischen Anstrich. Dazu gibt es immer noch un-thematisiertes Brachland rund um die Bahn. Vermutlich hoffte Universal darauf, dass das Harry Potter-Thema diesen Bahnen mehr Zulauf verschaffen würde. Doch für die Premierenzeit weit gefehlt: Trotz langer Warteschlangen im ganzen Potter-Bereich, bleiben die Achterbahnen eher mäßig besucht. Sollte dem klassischen Potterfan letzten Endes die Mystik in dieser bekannten und wenig veränderten Attraktion fehlen? Oder leiden die duellierenden Achterbahnen nur unter der Anfangseuphorie für die neuesten Rides?
Der Kuka-Darkride nämlich überzeugt und verdeutlicht, was mit Kreativität und Imagineering alles aus flinken Roboterarmen rauszuholen ist. Das ist weit mehr, als es bisher weltweit zu sehen gibt. Universal täte dennoch gut daran, sich der wenigen Defizite der Wizarding World of Harry Potter anzunehmen. Und J.K. Rowling sollte sich fragen lassen, ob sie sich mit ihrer Kleinlichkeit, ohne Rücksicht auf operative Bedürfnisse eines Freizeitparks, nicht nur Disney vergrault hat, sondern auch die Potterfans verärgert. Was nützt es, wenn die Shops ihrer eigenen kleinen Phantasiewelt haargenau entsprechen, jedoch im Gegenzug die Stimmung im Dorf gestört ist?
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