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Samstag, 11. September 2010clear (1K)
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Buchempfehlung



Edutainment -
Bildung macht Spaß

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Parole Spaß

 

"Edutainment - Bildung macht Spaß" nannte Dr. Ulrich Reinhardt sein Ende letzten Jahres erschienenes Buch. Der Autor ist Pressesprecher und Leiter der Auftragsforschung am BAT Freizeit-Forschungsinstitut. Und gehört damit zum Inner Circle von Freizeit-Papst Horst W. Opaschowski.

 

Der Praktiker denkt bei diesem Buchtitel sofort an Science Center und - mit Abstrichen - an Freizeitparks. Doch da muss der Leser Geduld aufbringen, denn dies wird erst nach rund 130 Seiten thematisiert. Vorher sagt der Autor viel Kluges zur Bildung im Allgemeinen und wie sich diese durch die Zeitläufe entwickelt hat und wer welche Zielsetzungen damit verbindet. Da fehlt es weder an Definitionen zu Bildung und Unterhaltung, noch fehlen Exkurse zu Wilhelm von Humboldt und den Werken von Friedrich Schleiermacher und Georg Simmel. Dieser Big Picture-Ansatz folgt einem anspruchsvollen Ziel und mag für Dozenten und Studierende wertvolle Zusammenhänge eröffnen ... doch der meist Termin und Problem gestresste Praktiker der Neuzeit, der sich eher - auch das hat sehr viel mit Unterhaltung zu tun! - an der Philosophie eines Harald Schmidt erfreut denn an der des Soziologen Simmel, wird die ersten 130 des insgesamt 190 Inhaltsseiten starken Buches recht rasch durchblättern, ehe er intensiv(er) Lesen und Verweilen wird. Dann wird es spannend und sehr informativ, so dass man am Ende sehr gern MEHR davon möchte, an Zahlen, Zusammenhängen, Beispielen und Ausblicken auf mögliche künftige Szenarien. Doch dann ist - sehr schade! - Schluss mit Lustig bzw. Unterhaltung, Edutainment und der Frage, wie die Kids und wir alle uns mit mehr Freude Wissen einverleiben können.

 

Spannend die Ausführungen zu Science Centern - Zitat: "Auffällig ist, dass mehr als zwei Drittel der Besucher (weltweit, die Red.) Science Center in den USA/Kanada besuchen, obwohl hier nicht einmal jede dritte Anlage zu finden ist. Die Gründe hierfür liegen u. a. in dem positiven Image, das durch Qualität und sehr gutes Marketing erreicht wird. Weiterhin sind die hohe Attraktivität der Freizeitbeschäftigung >Science Center-Besuch< und auch die finanziellen Möglichkeiten in Nordamerika anzuführen. Einige Anlagen in den USA sind derartig populär, dass sie Besuchervergleichszahlen mit den größten Freizeitparks und Themenwelten nicht fürchten müssen. Das besucherstärkste Science Center, das California Science Center in Los Angeles, erreicht beispielsweise mit über sieben Mio. Gästen pro Jahr eine ähnliche Auslastung wie Disneyland. Auffällig ist zudem die hohe Anzahl von Science Centern in China und Indien. Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass diese Anlagen auf eine beispiellose staatliche Unterstützung zurückgreifen können und einem geringen Freizeiteinrichtungskonkurrenzdruck ausgesetzt sind." Reinhardt bringt Beispiele, wie Science Center Besuchern zu sehr emotionalen Erfahrungen verholfen wird: So bietet "Heureka" in Finnland eine Mutstation - Fahren auf einem Hochseilfahrrad. Dieser Art Beispiele wünschte man sich als Leser noch mehr ... als Denk-Anstoß und - bitteschön - Ideengeber.

 

Reinhardt belegt eindrucksvoll, dass Science Center das "grundlegend bedeutende Erfahrungslernen fördern und anbieten" unter Einbezug sämtlicher Sinne. Stichwort: ganzheitliches Lernen vs. "verkopftes" Lernen. Im Segment der Freizeitparks hebt Reinhardt das Engagement des Europa-Parks mit seinen alljährlich stattfindenden "Science Days" hervor. Eher am Rande erfolgt auch ein sehr interessanter Hinweis auf die Verbindung von Themenparkelementen und Markenartikelherstellern. Beispiele hierfür: "Nivea-Kinderland" im Europa-Park Rust und im Heidepark Soltau. Übrigens: "Die weltweit erfolgreichste Verbindung von Themenpark und Markenunternehmen ist der Hersheypark in den USA. Diese Anlage des Schokoladenanbieters Hershey erreicht ein jährliches Besucheraufkommen von über 2,5 Mio. Menschen."

 

Das letzte Drittel des Buches ist in unserem Kontext ohne Zweifel das interessanteste: faktenreich, Zusammenhänge erkennend und Trends herausarbeitend. Dafür lohnt sich die Investition von 19,90 Euro (D). Noch ein praktischer Hinweis: Ehe Sie die großen Online-Shops wie libri.de, amazon.de, booxtra.de, buch.de etc. erfolglos nach dem erst kürzlich erschienenen Titel durchstöbern, sei Ihnen von vornherein der Gang zu Ihrer Buchhandlung oder zum Verlags-Onlineshop empfohlen: www.lit-verlag.de.

 

Ulrich Reinhardt: Edutainment - Bildung macht Spaß. Münster: Lit Verlag 2005.

 

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