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Dienstag, 07. September 2010clear (1K)
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Heft 2 / 2010


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Inhalt
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Science Center-Mania?




Von der Meisterschaft, die Sehnsucht zu entfachen

 

„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Von dieser Maxime, meinetwegen auch seelischen Befindlichkeit und Herzens-Qualität sollten bestehende und vor allem künftige Science Center geprägt sein, wollen sie eine Chance haben, das Innere der Besucher zu rühren und deren Sinne wachzurütteln.
 

(…)

 

Ohne Zweifel ist es wichtig und nützlich und förderlich, jungen Menschen via Ausstellung, Museum oder eben Science Center naturwissenschaftliche Zusammenhänge zu vermitteln. Das, was Schule nicht mehr schafft oder dem Lehrer oft einfach zuviel wird. Spannend soll ein Science Center sein. Interaktiv ebenfalls. Und: Erleben mit allen Sinnen soll möglich sein! Natürlich. Spielerisch. Freilich. Fehlt nur noch „Ganzheitlich“. Wortgeklingel nannte man das früher.

 

Das 1969 von dem Physiker Frank Oppenheimer gegründete Exploratorium in San Francisco gilt als Urgestein der Science Center-Entwicklung. 1990 war ich zum ersten Mal drin – und begeistert. Es hatte schon damals ein angenehmes Maß an Unaufgeräumtheit – also das Gegenteil von „stylisch“ oder „durchkonzipiert“. Somit das Gegenteil von dem, was heutzutage die größten Lobeshymnen erntet. Ich spürte eine heitere und kreative Verwirrung, die bis heute nachhallt und die Erinnerung an Konkretes durchaus lebendig hält. Durchthematisiert war das Exploratorium damals mitnichten. Aber in der für damalige Verhältnisse ungewöhnlichen und spürbaren Handmade-Anordnung war es fast aufrührerisch. Auch das war eine Ordnung, eine, die wohl gerade deshalb neugierig machte, weil es keine vordergründig sichtbare war, eine eben nicht am Reißbrett entworfene Ordnung. Man mag es abschätzig eine anarchische nennen.

 

Die deutsche Ausgabe des Exploratoriums im Sinne eines die Massen bewegenden Frontrunners ist für mich das Bremer Universum – die Bremer waren im Jahre 2000 die ersten Großen hierzulande. Dank eines hochprofessionellen Machers und Organisators wie Carlo Petri ist dieses Projekt ein Erfolg geworden, dessen Geschichte durch neu Hinzukommendes emsig und stetig weitergeschrieben wird. Die so genannte SchauBox und der EntdeckerPark sind heute feste und ebenso beliebte Bestandteile des Universum Science Centers.

 

Vom Schein- zum SEINs-Center
Bremen machte den Anfang. Über die Jahre kam diese und jene, Science Center genannte Einrichtung hinzu. Und jetzt geht es Schlag auf Schlag. Wolfsburg, Köln, Hamburg, auch von Stuttgart und Heilbronn ist die Rede. Auch von anderen, kleineren Marktflecken. Die Gefahr: Kleine Ausstellungen in noch kleineren Orten scheuen sich mittlerweile nicht, aus marketingtechnischen Erwägungen heraus („Es tönt so gut!“) ihren zumeist bescheidenen Laden flott Science Center zu nennen. Da ist – um es mit einem bekannten Werbeslogan zu persiflieren – selten das drin was draufsteht. Anders herum – das Kölner Odysseum: Diese vor knapp einem Jahr eröffnete Anlage, die in meinen Augen ein echtes Science Center ist, nennt sich selbst lieber „Abenteuer-Wissenspark“. Mit Slogans wie „Hier kann dein Wissen was erleben …“ wird locker und zielgruppengerecht die tatsächliche Erlebnisqualität dieser edukativ wertvollen Einrichtung beschrieben.

 

(…)

 

Aber zurück zum manchmal überstrapazierten Science Center-Begriff. Gerne wird behauptet, es handele sich dabei um einen Markt mit riesigen Wachstumschancen … Man bedenke, dass auch das Bremer Universum von anfänglich 500.000 Besuchern im Jahr bei nunmehr knapp 400.000 Gästen pro Jahr liegt. Petri wird dabei nicht müde herauszustellen, dass das Universum das weltweit einzige privat betriebene Science Center dieser Größenordnung ist, das schwarze Zahlen schreibt. Mit anderen Worten: Es ist in der Regel viel eher ein (Dauer-)Zuschussgeschäft. Das wird kommunale Kämmerer über alle Maßen „erfreuen“, denn sie haben die Science Center zumeist mit in ihren „Büchern“ stehen.

 

Die ersten Exemplare dieser Beamtenspezies bekommen auch schon „kalte Füße“: Wie sich zwischenzeitlich abzeichnet, möchte der Hamburger Senat die einst zugesicherten acht Mio. Euro „für die Entwicklung und den Anschub“ des 46-Mio.-Euro-Projektes eines Science Centers in der Hamburger HafenCity nicht mehr zuschießen. War ursprünglich ein Fertigstellungstermin für Ende 2011 geplant, steht nun das komplette Projekt auf der Kippe. „Das Science Center muss finanziell auf eine neue Basis gestellt werden“, erklärte Kulturbehörden-Sprecherin Susanne Frischling gegenüber der Bild-Zeitung. Ziemlich schlechtes Timing, denn ein – selbstverständlich hyperspektakulärer – Entwurf des holländischen Stararchitekten Rem Koolhaas liegt bereits vor. Ganz sicher war der nicht zum Nulltarif …

 

(…)

 

Aber vom Äußeren, das sicher eine große – wenn auch von manchen Zeitgenossen überbewertete – Rolle spielt, zurück zu den Inhalten. Auch hier stimmt etwas nachdenklich: Wenn nicht alles täuscht, gibt es bald immer mehr von demselben. Mit anderen und sehr zugespitzten Worten: Hast du ein Science Center gesehen, hast du bald alle Science Center gesehen! So wie früher: Hast du ein Museum gesehen, hast du fast alle Museen gesehen. Das Ende solch einer Entwicklung kennt jeder in Zeiten des Wettbewerbs um die Gunst der Besucher. Die Frage nach dem USP stellt sich allerorten.

 

(…)

 

An ihren wahren Werten sollt ihr sie erkennen …
Trotz aller Interaktivität und Ganzheitlichkeit der präsentierten Installationen versetzen nicht alle Angebote die Kids in herzliche Aufregung oder innig lauschende Stille. Da werden oft Konzepte von tausendmalklugen, aber wenig humorvollen Menschen abgearbeitet. Von gestandenen Pädagogikprofessoren mit guter Etikette zum Beispiel. Gefragt sind – und das wird sich angesichts der Fülle von Science Centern in Mitteleuropa bald zeigen – Kreativlinge und Sonderlinge, die anmutige Verwirrung kreieren und „beim Schaffen“ selbst Freude haben wie die Schneekönige. Die andere, seelentiefe Zugänge zu den Naturwissenschaften öffnen helfen. Dichter vom Schlage des „Ach wie schön ist Panama“-Erfinders. Zum Beispiel. Da lassen sich Geschichten allerfeinster Art spinnen zu Jäger&Sammler, Räuber&Träumer, Kafka&CheGuevara, zu Beethoven&Keith Richards, Einstein&Zweistein. Da passt sämtliche Zeit-, Seelen-, Musik-, Technik- und Naturgeschichte der Menschheit rein. Solcherart Macher, die ich mir wünsche, die könnten geleitet sein vom schon eingangs zitierten Denk-Anstoß des bekannten französischen Schriftstellers Antoine de Saint Exupéry: „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

 

(…)

 

 

Den kompletten Beitrag können Sie in der Printausgabe von EAP Heft 2/2010 lesen.

 

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