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22.02.2021

Österreich: WAVE Die Wasserwelt Wörgl zur Disposition?

Seit einigen Monaten schlagen die Wogen wieder einmal hoch im Wave Wörgl in Tirol. Die 2003 eröffnete Wassererlebniswelt, die – nach nicht einmal zwei Jahren – im Sommer 2005 durch ein Hochwasser verheerend getroffen wurde, zählt heute zu den beliebtesten Badewelten der DACH-Region und erfreut sich einer großen, nicht nur regionalen Gästeschar. Das Einzugsgebiet des Wave reicht bis nach Bayern, über die Achenseeregion bis ins Tiroler Oberland. Nur fünf Monate nach der Überflutung konnte die Wörgler Wasserwelt nach großem Aufwand und Mühen neu eröffnet werden und überzeugte seitdem die Gäste mit noch besserer Ausstattung und neuen Attraktionen wie zum Beispiel einem Sole Bad. 2010 wurde dann „L2“, die erste Doppel-Looping-Wasserrutsche der Welt, eröffnet – ein weiterer Besuchermagnet. Eine Schwimmhalle mit 25-Meter-Sportbecken, ein Wellenbad, die beiden Loopings, mehrere Außenbecken und eine großzügige Saunalandschaft – alles unter einem Dach. Das wissen nicht nur die Wörgler, sondern auch ihre Gäste aus nah und fern zu schätzen.

Vor mehreren Monaten wurde bekannt, dass die Stadt Wörgl das Bad schließen und abreißen will. Und Wörgl lief Sturm. Tausende Bürger wurden mobilisiert, um den Abriss zu verhindern. Eine Unterschriftensammlung wurde initiiert, die eine Volksbefragung durchsetzen wollte. Die Bürgerinitiative erwartet vom Wörgler Stadtrat, dass er sich ernsthaft mit dem Erhalt des Wave auseinandersetzen und ein nachhaltiges Finanzierungskonzept ausarbeiten möge.

„Wir haben bereits seit 2017 einen umfassenden Investitionsplan für einen Zeitraum von ca. 20 Jahren erarbeitet, der selbstverständlich auch den laufenden Sanierungsbedarf beinhaltet. Natürlich haben wir durch die coronabedingte Schließung auch einige Federn lassen müssen, so dass unsere Planungen im letzten Jahr ins Stocken gerieten“, erklärt Wave-Geschäftsführer Andreas Ramsauer.

Die Stadt Wörgl betont ausschließlich „zahlreiche sichtbare Mängel und Schäden, die Sanierungskosten von 10 Mio. Euro und mehr erwarten lassen“. Solch hohe Investitionskosten für Sanierungsmaßnahmen eines Schwimmbades seien vor dem Hintergrund anderer kommunal erforderlicher Maßnahmen wie z.B. Schul- oder Kindergartenbau nicht vertretbar, erklärte Mag. Andreas Madersbacher, Pressesprecher der Stadt Wörgl, am Vorabend der Gemeinderatssitzung gegenüber EAP.

Am 18. Februar traf sich der Wörgler Rat, um über das Schicksal des Wave abzustimmen. Der Gemeinderat hat mit den Stimmen aller im Rat vertretenen Fraktionen einem Antrag der Bürgermeisterliste Hedi Wechner für eine Volksbefragung stattgegeben. Diese muss nun binnen acht Wochen durchgeführt werden. Laut Tiroler Gemeindeordnung ist eine derartige Befragung für die Entscheidungsträger seitens der Stadt zwar nicht bindend, sehr wohl betonte Bürgermeisterin Hedi Wechner aber, dass diese bei einer Beteiligung von 70% der Wahlberechtigten mit einfacher Mehrheit bindend sei.

Eine Entscheidung über das Schicksal der Wörgler Wasserwelt Wave ist also noch nicht gefallen. Immerhin 50 Arbeitsplätze hängen an der Wassererlebniswelt, die nach dem Willen der Politik nach nur 18 Jahren einfach wieder abgerissen werden soll … Auf unsere Nachfrage nach dem Grund für eine so rigorose und weittragende Maßnahme, spricht die Stadtgemeinde immer wieder von einem „maroden Zustand“ der Anlage, deren Sanierung Millionen zu verschlingen drohe. Allerdings sei man seitens der Stadtgemeinde sehr wohl bereit, „in Zusammenarbeit mit den Gemeinden im Bezirk, den Tourismusverbänden wie auch dem Land Tirol eine neue Regionalbadvariante in Wörgl anzudenken“. Auf unsere Frage, was nach einem Abbruch mit dem Gelände der jetzigen Wasserwelt geschehen solle, gäbe es, so Madersbacher, bislang noch keine Entscheidung – außer, dass der Gewerbegrund sicherlich wieder gewerblicher Nutzung zugeführt würde. (eap)