27.01.2026

Deutsche Schausteller mit klaren Forderungen an die Politik

Deutsche Schausteller mit klaren Forderungen an die Politik

Die Mitglieder des DSB versammelten sich am Freitag, den 23. Januar 2026, zur Großkundgebung in der Paderhalle.

DSB-Präsident Albert Ritter begrüßte die deutschen Schaustellerbetriebe sowie geladene Gäste aus der Kommunal-, Landes, und Bundespolitik. © EAP-Magazin (eap) Vier Tage lang war die ostwestfälische Universitäts- und Domstadt Paderborn – mit erzbischöflichem Sitz – Gastgeberin des 75. Delegiertentags des Deutschen Schaustellerbundes e.V. (DSB), dem größten Schausteller-Treffen Europas (vgl. EAP-News v. 22.01.26). Von Donnerstag bis Sonntag hatten die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch und Netzwerken sowie zum Besuch der verbandseigenen Interschau-Fachmesse.

Ein Höhepunkt des 75. Delegiertentags war die politische Großkundgebung vergangenen Freitag in der Paderhalle, zu der Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunal-, Landes- und Bundespolitik begrüßt werden konnten. Die Großveranstaltung wurde genutzt, um aktuelle Herausforderungen der Schausteller-Branche zu diskutieren: angefangen bei der Sicherheit von Volksfesten und Weihnachtsmärkten, über die Ungleichbehandlung in der Abschreibungspolitik im europäischen Wettbewerb bis hin zu Strompreisen und dem Thema Arbeitskräftemangel.

Bethel Thelen, Vorsitzender des gastgebenden Paderborner Schaustellervereins und DSB-Vizepräsident. © EAP-Magazin Der Begrüßung durch DSB-Präsident Albert Ritter folgte der festliche, musikalisch begleitete Einzug der Schaustellertraditionsfahnen in den vollbesetzen Saal. Bethel Thelen, Vorsitzender des Paderborner Schaustellervereins und DSB-Vizepräsident, unterstrich in seiner Grußbotschaft, dass der Stolz auf Tradition und leidenschaftliche Freude zu den Grundpfeilern der Branche gehören. Darüber hinaus beschrieb er beispielhaft eine wachsende Ungerechtigkeit in Sachen Abschreibungspolitik im europäischen Vergleich und betonte, dass die Schausteller hier einen dringenden Handlungsbedarf sehen.

Stefan-Oliver Strate, Bürgermeister der Stadt Paderborn, trat als erster politischer Redner auf die Bühne. © EAP-Magazin Paderborns Bürgermeister Stefan-Oliver Strate, der mit dem Libori-Fest (zuletzt 1,5 Mio. Besucher) Deutschlands ältestes Volksfest in seiner Stadt ausrichtet, trat als einer der ersten politischen Redner auf die Bühne und hob die Bedeutung des Schaustellergewerbes als „eine Branche mit großem Traditionsbewusstsein – eine große Familie, die Werte schätzt und schützt“ hervor.

Nach weiteren Grußworten geladener Bundespolitiker stellten sich vier Vertreter des NRW-Landtages auf „heißen Stühlen“ – hier branchenzünftig in Bumper Car-Chaisen – den Fragen des DSB-Präsidenten zu aktuellen Verbandsthemen. Ein Thema von besonders hoher Brisanz war die Sicherheit auf Kirmessen und Volksfesten. „Das Gefährlichste an einem Kirmesbesuch ist die An- und Abreise, denn unsere Kirmesplätze sind – was die Fahrgeschäftesicherheit oder auch z.B. Brandschutz betrifft – grundsätzlich sichere Veranstaltungen“, konstatierte Ritter. Was die neuerlich in immer stärkerem Maße erforderliche Terrorabwehr betrifft, stellte er klar, dass diese Sicherheitsmaßnahmen Aufgabe von Bund und Ländern seien und forderte, dass die aus dem Sondervermögen für Sicherheitsfragen vorgesehenen Mittel nicht nur in die äußere, sondern vor allem auch in die innere Sicherheit fließen müssten.

Eine Talkrunde auf „heißen Stühlen“ mit den Vizepräsidenten des Landtags NRW Christof Rasche (l.) und Rainer Schmeltzer (2. v. r.) und den Fraktionsvorsitzenden Thorsten Schick (2. v. l.) und Wibke Brems (r.). © EAP-Magazin Zum Thema Strompreise zeigte sich Ritter enttäuscht, dass bislang nur Großunternehmen von den vergünstigten Stromtarifen partizipieren sollen. Volksfeste, so Ritter, generieren Freude, das sei sozusagen ihr Produkt. „Und ein Kinderlachen ist mindestens so wichtig, wie ein E-Auto oder ein anderes Industrieprodukt. Deshalb brauchen auch wir Schausteller dringend günstigere Strompreise.“ Im Hinblick auf den geforderten Bürokratieabbau ging es Ritter unter anderem um die Regelung von Sondertransporten, die sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden, was zu einem überbordenden bürokratischen Aufwand führe, wenn die Schausteller ihre Anlagen durch die Republik von Festplatz zu Festplatz bewegen müssen.

CDU-Generalsekretär Dr. Carsten Linnemann versprach aktive Bemühungen zur Wiederinkraftsetzung einer Sonder-Beschäftigungsregelung für Schaustellerbetriebe. © EAP-Magazin Nach Abschluss der Talkrunde und weiteren politischen Grußworten gab Schlussredner Dr. Carsten Linnemann, CDU-Generalsekretär und MdB, den Schaustellern ein Versprechen: Er werde sich aktiv um die Wiederinkraftsetzung der Sonderregelung für deutsche Schaustellerbetriebe im Hinblick auf die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte aus so genannten „sicheren Herkunftsstaaten“ einsetzen, um dem hohen Personalmangel in der Branche auf politischer Ebene entgegenzuwirken. Derartige Herkunftsstaaten seien beispielsweise Georgien oder Länder Südostasiens. Bis zum nächsten DSB-Delegiertentag 2027 in Bremen wolle er ein Ergebnis dieser Bemühungen präsentieren können – ein Versprechen, für das er Beifallsrufe und Standing Ovations von den Teilnehmern der Großkundgebung erhielt.

Albert Ritter hob abschließend nochmals die hohe gesellschaftliche Bedeutung von Volksfesten und Kirmessen hervor: „Nur wer selber Freude im Herzen hat, kann auch anderen Freude bereiten. Kirmessen haben etwas von Lagerfeuerromantik – jeder kann kommen, sich dazugesellen und dabei sein. Ob und was am Ende konsumiert wird, entscheidet jeder Besucher frei…“

Mehr als 40 auf die Ausstattung von Volksfest-Akteuren spezialisierte Hersteller und Anbieter nahmen als Aussteller an der viertägigen Interschau teil. Ob Fahrgeschäfte, F&B-Automaten, Ticketing-Software, Beleuchtungslösungen oder Gastronomie-Ausstattung – der gut besuchte „Marktplatz“ im Paderborner Schützenhof umfasste ein volles Angebotssortiment für den Kirmes-Bedarf. ■

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