02.10.2026

Deutschlandmuseum zeigt „Das letzte Brot der DDR“

Deutschlandmuseum zeigt „Das letzte Brot der DDR“

Kurz bevor sich der Tag der Deutschen Einheit zum 36. Mal jährt: „Das letzte Brot der DDR“ ist ab heute dauerhaft im Deutschlandmuseum zu sehen.

(eap) Anlässlich des morgigen Tags der Deutschen Einheit (3. Oktober) präsentiert das Deutschlandmuseum in Berlin ein außergewöhnliches Exponat: ein auf den ersten Blick ganz gewöhnliches Bauernbrot. Das Besondere daran: Es wurde wenige Tage vor der deutsch-deutschen Währungsunion gekauft und ist seitdem ununterbrochen tiefgefroren.

Michael Hagedorn 36 Jahre nach dem Kauf hat Michael Hagedorn (Foto) das Brot nun dem Deutschlandmuseum übergeben. © Foto: Deutschlandmuseum Berlin, CC BY-ND 4.0 Am Dienstag, dem 26. Juni 1990, kaufte Michael Hagedorn das Mischbrot in einem damaligen Konsum in Berlin-Mitte. Hagedorn war damals Student und lebte mit seiner Ehefrau und seiner kleinen Tochter in Ost-Berlin. Nur wenige Tage später, am 1. Juli 1990, sollte die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR in Kraft treten und die D-Mark zum alleinigen gesetzlichen Zahlungsmittel werden.

Wie sich die Reform auf den Alltag auswirken würde, war für viele Menschen zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss. Auch Familie Hagedorn befürchtete, dass Lebensmittel unmittelbar nach der Währungsunion deutlich teurer werden oder sich lange Schlangen vor den Geschäften bilden könnten. Daher kauften die Hagedorns an diesem Dienstag nicht wie üblich nur ein Brot, sondern vorsorglich ein zweites, das sie in ihr Gefrierfach legten.

Was zunächst als vorausschauender Lebensmitteleinkauf für die kommenden Tage gedacht war, geriet mit der Zeit in Vergessenheit. Über die 90er Jahre und die Jahrtausendwende bis hin zu den 20ern dieses Jahrhunderts – das Brot blieb eingefroren. Es überstand Umzüge, sah andere Tiefkühlprodukte kommen und gehen und war, da war man sich in der Familie Hagedorn über die Jahrzehnte (fast) immer einig, irgendwann schlicht zu alt und zu ungewöhnlich, um es noch wegzuwerfen. Aus einem alltäglichen Lebensmittel war unbeabsichtigt ein Zeitzeugnis geworden…

Das weltweit einzigartige Exponat wird tiefgekühlt präsentiert. © Foto: Deutschlandmuseum Berlin, CC BY-ND 4.0 „Dieses Brot ist gerade deshalb ein so faszinierendes Museumsobjekt, weil es ursprünglich überhaupt keines sein sollte. Es erzählt keine Geschichte großer Politik, sondern es erzählt von einer ganz alltäglichen Entscheidung in einer Zeit enormer Unsicherheit. Genau solche Alltagsgeschichten machen historische Umbrüche unmittelbar verständlich“, erklärt Robert Rückel, Direktor des Deutschlandmuseums.

„Das letzte Brot der DDR“ ist im Epochenraum „Geteiltes Deutschland“ zu sehen. Für das ungewöhnliche Ausstellungsstück wurde eigens ein Gefrierschrank angefertigt, in dem das Brot dauerhaft tiefgekühlt präsentiert wird. Es ergänzt die immersive Ausstellung im Deutschlandmuseum damit um ein Exponat, das zeigt, wie unmittelbar die großen Veränderungen des Jahres 1990 sogar bis in die Küchen und Vorratsschränke der Menschen hineinwirkten.

Zugleich fügt sich das Exponat in das Vermittlungskonzept des Deutschlandmuseums ein, das deutsche Geschichte in immersiv gestalteten Epochenräumen vermittelt und historische Ereignisse mit konkreten Alltagserfahrungen verknüpft. Auf diese Weise sollen historische Zusammenhänge über klassische museale Wissensvermittlung hinaus erfahrbar werden.

Mehr über das Deutschlandmuseum am Leipziger Platz lesen Sie in EAP-Ausgabe 6/2023! ■

Lesen Sie auch